Die 100. Reise der Bremen war eine Unglücksfahrt

Strahlender Sonnenschein über Stockholm. Vom Hafen her klingt Musik. Hunderte von Menschen stehen am Kai. Sie winken der BREMEN zu, dem Flaggschiff des Norddeutschen Lloyd, das von Schweden aus die Heimfahrt von einer mehrwöchigen Reise durch die Ostsee angetreten hat. Zwei schwedische Lotsen sind an Bord. An der Reling flattern die Taschentücher. Eine Flotte von Motorbooten, Segeljachten und Fährschiffen ist dem großen deutschen Passagierschiff gefolgt.
Da schlägt plötzlich die Brückenwache auf der BREMEN Alarm. Vor dem Bug ist ein Motorboot. Es treibt hilflos auf den Wellen. Zwei Männer hantieren an Ihren Außenbootsmotor. Der Motor war ausgefallen. Die Sirenen der BREMEN heulen. Die Schrauben des 32 000-Tonners drehen sich mit voller Kraft rückwärts. Zu spät! Wie die Schneide eines Messers dringt der mächtige Bug in das Holz des Motorbootes ein. Knirschen. Und dann splitterndes Krachen. Zwei Menschen kämpfen in den Bugwellen der BREMEN um ihr Leben. Für einen kommt jede Hilfe zu spät…
Kapitän Rössing nach dem Unfall: Wir haben alles versucht, den Unfall zu vermeiden. Die Schrauben meines Schiffes liefen nach rückwärts. Aber ein 30 000 Tonner hat eben keine Scheibenbremsen wie ein Auto.
Seine 100.Reise durch die Ostsee trat Rössing am 30.Juni 1964 ab Bremerhaven an. Es wurde eine Unglücksfahrt.
Im Gotenhafen in Danzig rammte das Schiff die Kaianlagen. Kapitän Rössing: Der Pfiff des polnischen Lotsen bei uns an Bord wurde vom Schlepper nicht gehört. Dreimal musste der Lotse das Schleppersignal wiederholen. Dabei hat die BREMEN noch etwas Fahrt vorausgemacht und einige Holzbalken beschädigt.
Vor Stockholm lief die Bremen auf Grund. Kapitän Rössing: Ich hatte zwei schwedische Lotsen an Bord. Dennoch lief mein Schiff in den engen Schären aus dem Ruder und hatte dabei leichte Grundberührung.
Im Hafen von Stockholm verlor die BREMEN den Anker. Rössing: Von den Passagieren hat das kaum jemand bemerkt.
Beim Auslaufen in Stockholm forderte die 100. Fahrt der BREMEN ein Menschenleben. Rune Noren verlor seinen besten Freund.